Jahresrückblick Talent2Go 2022 – Gründer Interview

Für unseren Talent2Go Jahresrückblick nimmt Euch Gründer und Geschäftsführer Mike Joszko mit auf seine Reise durch die letzten zwölf Monate, erzählt von seinen Highlights des Jahres und gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr.

1. Zum Einstieg für alle, die Dich noch nicht kennen: Wer bist Du?

Fangen wir mit den Basics an: Mein Name ist Mike Joszko und ich bin Gründer und Geschäftsführer von Talent2Go. Aktuell noch 38 Jahre jung (meine Mitarbeiter:innen würden jetzt an der Stelle sagen: “Okay, Boomer!”). 

Ich habe 2003 selbst eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement in einem Filialunternehmen im Einzelhandel absolviert und nach der Ausbildung die interne Nachwuchsakademie besucht – mein Wunsch war es immer, später Führungskraft zu werden. Meine erste Prüfungserfahrung (nach der Führerscheinprüfung) war die Abschlussprüfung meiner Ausbildung. Besonders an die mündliche Prüfung kann ich mich richtig gut erinnern, ganz ehrlich, das war kein schöner Tag. 

Ich war zu dem Zeitpunkt eher introvertiert und hatte Prüfungsangst. Problem bei der Sache: Das mit der Prüfungsangst habe ich tatsächlich erst vor Ort so richtig gemerkt – leider etwas spät, sonst hätte ich noch entgegenwirken können. Es war zwar keine Vollkatastrophe, dennoch ist das hängengeblieben. Während meiner Fortbildung zum Handelsfachwirt habe ich dann gemerkt, dass mir die Personalarbeit wahnsinnig Freude bereitet und genau mein Thema ist. Als dann auch noch eine Stelle als HR-Spezialist im Bereich Aus- und Weiterbildung frei wurde, habe ich die Chance ergriffen, mich beworben und die Stelle am Ende auch bekommen. Das war 2010.  Von dort an bis Mitte 2022 war ich dann im HR-Bereich im Außendienst im Einsatz, habe Talent2Go also längere Zeit nebenberuflich aufgebaut, bis ich voll in die Selbstständigkeit ging. 

Warum? Neben meinem Beruf bin ich stolzer Familienvater von drei tollen Mädchen. Ich bin also nicht der „klassische Gründer“ direkt im oder nach dem Studium, sondern trage (natürlich gemeinsam mit meiner Frau) sehr viel Verantwortung für die Family. By the way, mit vier Frauen zuhause habe ich es manchmal gar nicht so leicht 😅  

2. Gestartet bist Du vor mehreren Jahren mit Prüfung2Go, einer Lernplattform für Auszubildende zur Prüfungsvorbereitung.

Wann kam Dir die Idee zu Talent2Go und was macht Dein neues Unternehmen so besonders?

Ehrenamtlich bin ich seit vielen Jahren in diversen Prüfungsausschüssen im Einsatz. Ich wollte es als Prüfungsausschussmitglied immer besser machen und näher an den Prüflingen sein, als es bei meiner mündlichen Abschlussprüfung der Fall war. Nach einem richtig langen Prüfungstag im Frühjahr 2017, der auch alles andere als positiv verlaufen ist, kam der Gedanke in mir auf, hier muss man doch etwas besser machen können. Gesagt, getan. Zuhause habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und begonnen, ein Buch zur Vorbereitung auf die mündliche Abschlussprüfung zu schreiben. Das Feedback zum Buch war so unglaublich gut, dass im weiteren Zeitablauf aus dem Buchprojekt insgesamt 30 veröffentlichte Buchtitel wurden. 

Noch vor Beginn der Pandemie begann ich, digitale Lerninhalte und eine eigene Lernplattform, speziell für Auszubildende, zu entwickeln. In diesem Zuge haben wir mehr als 1.000 Inhouse-Videos produziert. Auch das ein sehr herausfordernder Zeitabschnitt. 

Nachdem unsere Lernplattform Prüfung2Go stand, und ich hauptberuflich weiterhin als HR-Business-Partner im Einsatz war, habe ich immer wieder in der Praxis festgestellt, dass es keine einfachen Möglichkeiten innerhalb der Ausbildung gab, Talente zu entdecken. Ich war immer auf Feedback der verschiedenen Ausbilder:innen und Führungskräfte angewiesen und habe hier oft ganz viele Entscheidungen gesehen, die aus dem Bauch heraus entstanden sind. 

Auf die Frage, wer denn eigentlich die Top-Azubis im Betrieb sind, wurde ich immer wieder mit unterschiedlichen Meinungen konfrontiert. Einer Ausbilderin war die Berufsschule total wichtig, einem anderen Ausbilder doch eher die Arbeit in der Praxis, der Führungskraft dann wieder ganz andere Punkte wie Motivation und Engagement. Das waren häufig Momente, an denen ich dachte: 

  • Warum gibt es hier eigentlich keine Softwarelösung, speziell für die wichtige Zielgruppe der Auszubildenden? 
  • Warum werden die Stärken und Schwächen von Auszubildenden nicht systematisch erfasst, um gemeinsam daran zu arbeiten? 
  • Warum verbringt man wertvolle Zeit damit, Ausbildungsordner zu wälzen, statt individueller auf die einzelnen Azubis einzugehen? 

So kam eins zum anderen und die Idee war geboren, verstärkt Learning Analytics auszuwerten, um Talente sichtbar zu machen. 

3. In diesem Jahr hast Du Dir ein kleines Team aufgebaut, um Dein Unternehmen noch größer zu machen. Wer steckt mittlerweile alles hinter Talent2Go?

Stand heute sind wir neun Personen bei Talent2Go und erwarten im Januar noch weiteren Zuwachs, dann sind wir zu zehnt. Auch in 2023 wollen wir weiter angreifen, Talent2Go in noch mehr Ausbildungsunternehmen etablieren und wachsen. Unsere Ziele sind ziemlich ambitioniert. 

Ein großer Teil des Teams arbeitet an unserem Lerncontent, denn neben der Weiterentwicklung der HR-Software verstehen wir uns als “Content Factory” für die Berufsausbildung. So veröffentlichen wir wöchentlich neue ausbildungsbegleitende Lektionen für verschiedene Berufe. Im Team Content sind unsere beiden Lara´s zuhause, ebenso Christian, der das komplette Thema Videocontent verantwortet. Ab Januar stößt Marie Luise dann noch dazu.

Um unsere Kund:innen auch vor und nach dem Onboarding mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sind Carmen und Oliver im Customer Success Management im Einsatz. Den Bereich Social Media decken Jana und seit kurzem auch Alizee ab. Last but not least ist Julian als Full Stack Entwickler im Einsatz und leistet – wie alle anderen Teammitglieder auch – gerade Großartiges in seinem Bereich. 

4. Um weiter zu wachsen und neue Produktideen zu verwirklichen, hast Du Dir in diesem Jahr finanzielle Unterstützung mit an Board geholt. Wie lief das Ganze ab?

Spannende Frage, viele Gründer von Startups kommen an den Punkt und müssen sich die Frage stellen: Möchte ich mein Unternehmen bootstrapped (also aus eigener Kraft und ohne Finanzierung) aufbauen oder gehe ich ins Fundraising und beschaffe externes Kapital bzw. eine externe Finanzierung, um schneller skalieren und wachsen zu können? 

Ende 2021 habe ich mich dann nach reiflicher Überlegung für Letzteres entschieden. Als Talent2Go fertig programmiert war, war der Zuspruch gleich von Beginn an so groß, dass ich sofort gemerkt habe, dass wir mit unserem Produkt einen Nerv getroffen haben. Der Prozess der Kapitalaufnahme war wahnsinnig spannend und herausfordernd zugleich. Mir ging es in erster Linie nicht nur darum möglichst schnell viel Geld zu besorgen, sondern mir war es vor allem wichtig, dass potenzielle Investor:innen Expertise mitbringen und zur Idee von Talent2Go passen. Und heute? Was soll ich sagen, wir sind überaus happy die folgenden Personen als Mitgesellschafter nennen zu können:

5. Im Unternehmertum gibt es ja bekanntermaßen Höhen und Tiefen. Was waren für Dich absolute Highlights in diesem Jahr, was waren die größten Learnings?

So viel vorab: Es gab jede Menge Highlights, auf die ich gerne zurückblicke! 

Eines davon: Unser Umzug in unsere neuen Büroräumlichkeiten und kurze Zeit später die ersten Mitarbeiter:innen, die dazugestoßen sind. Das war für mich persönlich eine ultra spannende Zeit. Die Stimmung im Team ist gut und hier ist man sehr oft zu Scherzen aufgelegt.

An dieser Stelle sei auch Manfred kurz vorgestellt: Unsere Videorequisite.

Der spielt auch bei folgender Geschichte eine Rolle. Das Team hat Manfred auf dem Herrenklo platziert, gemeinsam mit einer GoPro. Als Oliver dann das WC aufsuchte… ach seht selbst:

Ein weiteres Highlight war unser erstes Teamevent in Tannheim in Österreich, damals noch nicht in der jetzigen Formation. Auch hier spielte Oliver wieder eine Hauptrolle bei uns im Team. Dazu erzähle ich jetzt nichts, fragt ihn doch einfach im nächsten Termin persönlich. Hier können interessierte Unternehmen übrigens ein Erstgespräch mit ihm vereinbaren.

Das Teamvideo könnt ihr euch auch gerne anschauen. Den Kanal gerne direkt abonnieren und die Glocke aktivieren (Jana sagt, ich soll das dazu schreiben). Ihr seht, es macht unglaublichen Spaß bei Talent2Go dabei zu sein. 

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Dennoch gab es, wie vermutlich bei jedem Startup, auch Rückschläge zu verkraften. Neben all den positiven Einstellungen gab es auch hier z.B. Freelancer, die viel mehr versprachen als sie am Ende geleistet haben. Solche Fehlinvestitionen verbucht man dann als teure Lektion. Fürs nächste Mal wissen wir jetzt, auf was wir achten müssen.

6. Mit Talent2Go habt ihr ein “All-in-One-Tool” gebaut, um Azubis zu gewinnen, zu fördern, zu halten und Ausbildungsprozesse zu digitalisieren. Welche Feature habt ihr in diesem Jahr entwickelt? Und: Hast Du ein Lieblingsfeature?

Wir haben unsere Software in 2022 massiv ausgebaut und die Entwicklung von neuen Funktionen vorangetrieben. Neben Lerncontent in einem komplett neuen Gewand, ist sicherlich unsere Gen-Z Jobbörse Azubi2Go ein absolutes Highlight. Wir unterscheiden uns mit Azubi2Go klar von anderen Ausbildungsjobbörsen. Bei uns können Kund:innen keine Sichtbarkeit einkaufen, vielmehr geht es uns darum, unseren Partnerunternehmen passgenaue Bewerber:innen vorzuschlagen, und den Schüler:innen die richtigen Stellen. Dafür haben wir einen Matchingalgorithmus entwickelt, der genau das ab Januar 2023 leisten wird. 

Auch hier gilt mein Dank dem gesamten Team und insbesondere Julian. Was hier in kurzer Zeit geleistet wurde, ist verrückt. 

7. Ihr habt viele neue Kund:innen gewonnen. Gibt es etwas, das Dir hier besonders im Kopf geblieben ist?

Was mich allgemein immer wieder verwundert hat, ist, wie wenig das Thema Digitalisierung der Berufsausbildung in den Unternehmen heute verankert ist. Denkt man einen Moment über die deutsche Berufsausbildung nach, so denkt man direkt an ein “Erfolgsmodell Made in Germany”. Auch deswegen gibt es verschiedene internationale Modellprojekte, um die duale Ausbildung nach deutschem Modell im Ausland zu etablieren.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die Digitalisierung innerhalb der Berufsausbildung zu den größten Herausforderungen gehört – und damit unglaubliches Potenzial hat. Eine kürzlich erfolgte Kundenanalyse zeigt: Durch die digitalen Ausbildungstools von Talent2Go können Ausbilder:innen 28% ihrer Zeit einsparen, mit unserer intelligenten Lern- und Prüfungsvorbereitsungsplattform konnten Partner die Bestehensquote ihrer Azubis im Vergleich zum Vorjahr bei Prüfungen um 12% verbessern und am Ende auch die Übernahmequote massiv pushen. Wir freuen uns, dass unsere Zahlen so stark für sich sprechen!

8. Wer und/oder was hat Dich in diesem Jahr (unternehmerisch) inspiriert?

Ich bin Hörer und man könnte auch fast sagen „Fan“ von OMR und dem gleichnamigen Podcast von Philip Westermeyer, wo es wöchentlich spannende Persönlichkeiten aus der Unternehmerwelt und ihre Stories zu hören gibt. Besonders hängengeblieben ist z.B. die Folge #517 mit Enpal Gründer Mario Kohle. Hier wurde nochmal deutlich, wie wichtig Nachwuchs und junge Talente im Handwerk sind, wenn man auf die Herausforderungen des Klimawandels blickt. 

Dieser Podcast hat uns zum Beispiel inspiriert, im Frühjahr 2023 eine große Handwerks-Kampagne auf unserer Gen-Z Jobbörse Azubi2Go zu veröffentlichen. Ohne das Handwerk werden wir die anstehenden Probleme nicht bewältigen können. Hier brauchen wir schlaue Köpfe und vor allem sehr schnell sehr viel Nachwuchs. Aktuell führt z.B. Jana diverse Interviews mit Handwerker:innen verschiedener Gewerke, die wir in Kürze auf unseren Social Media Kanälen ausspielen, um Schüler:innen und Ausbildungsinteressierten die konkreten Tätigkeiten zielgruppengerecht nahe zu bringen. 

Seien Sie gespannt, was Sie da erwartet! Und falls hier jemand aus dem Handwerk mitliest oder Sie einen Handwerksbetrieb kennen, der Nachwuchssorgen hat – melden Sie sich gerne direkt unverbindlich bei uns!

9. 2023 steht in den Startlöchern. Welche Themen sollen in Deinen Augen für HRler:innen, Personalverantwortliche und Entscheider:innen in Ausbildungsbetrieben im kommenden Jahr ganz oben auf der Agenda sein?

Der Fachkräftemangel wird natürlich auch im kommenden Jahr eine Herausforderung bleiben und es wird wichtig sein, sich als Unternehmen noch mehr damit auseinanderzusetzen und Maßnahmen zu ergreifen, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Um diesen War for Talents für sich entscheiden zu können, gibt es einige Schritte, die man als Unternehmen unternehmen kann, und auch sollte:

  •  Stellen Sie sicher, dass Sie attraktive Arbeitsbedingungen bieten.
  •  Pflegen Sie eine positive Unternehmenskultur.
  •  Investieren Sie in die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter.
  •  Bieten Sie Karrieremöglichkeiten und Entwicklungschancen.

Neben dem aus meiner Sicht größten Thema im kommenden Jahr, werden auch weitere Themen immer mehr an Relevanz zunehmen:

  • New Work und agile Arbeitsmethoden
  • Digitale Transformation
  • Nachhaltigkeit
  • Diversity und Inklusion

Wir freuen uns unglaublich auf 2023. Die obigen Themen zeigen aber auch: 2023 wird für Unternehmen und auch HR-Verantwortliche herausfordernd. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, erfolgreich durch das Jahr zu kommen.

10. Was habt ihr mit Talent2Go im neuen Jahr vor? Wo soll die Reise hingehen?

Wie oben beschrieben, haben wir sehr ambitionierte Ziele. Unsere Vision ist ziemlich klar: Als Pfälzer Startup wollen wir die #1 Software in der beruflichen Ausbildung werden. Dafür haben wir uns im Team einiges vorgenommen. Ab Januar gehen z.B. neue Youtube, TikTok und Instagram Kanäle an den Start, auch unsere KI-basierte Ausbildungs- und Versetzungsplanung steckt in den Startlöchern.

An dieser Stelle möchte ich mich auch im Namen des Teams bei allen Unterstützer:innen und Partnern bedanken. Danke für das Vertrauen!

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