Azubi Recruiting Trends 2021 – Stimmungsbilder und Veränderungen in der Pandemie

Unter dem Motto “Es geht auch in Zukunft beim Azubi – Recruiting darum, nicht nachzulassen und alle Möglichkeiten abzuschöpfen”, hat der U-Form Verlag eine neue Studie zu Azubi Recruiting Trends 2021 veröffentlicht. In dieser Studie werden nicht nur Details zu Recruiting und Bewerbung, sondern auch Stimmungsbilder zu verschiedenen Themen beleuchtet. Das ist wichtiger denn je, sinkt doch die Anzahl der Auszubildenden immer weiter. Die Studie wurde mit 5623 Schüler:innen und Auszubildenden und 1270 Ausbildungsleiter:innen/Personaler:innen geführt. Passend zum neuen Ausbildungsjahr 2021 finden Sie im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse der Studie.

Präferenzen bezüglich des potentiellen Berufs

Zu Beginn werden die Präferenzen der Student:innen und Auszubildenden bezüglich der Wunsch-Ausbildung abgefragt. Ganz vorne mit dabei sind IT-Berufe (13,1%), gefolgt von der Branche Verarbeitende / fertigende Industrie und Maschinenbau (13,0%). Während Branchen wie Banken/Versicherungen (9,5%), Handel (7,4%) und Handwerk (5,1%) das Mittelfeld belegen, zeigen Berufe im Gesundheitswesen mit 3,5% (ebenso wie Stadtwerke / Verkehrsbetriebe / Energieversorger) und Soziale Berufe (2,5%) eine eher geringere Beliebtheit. Auch die Automobil-, Immobilien- und Medien- und Druckbranche werden weniger präferiert (zwischen 2,9 und 2,6%). Das Schlusslicht bieten Hotellerie und Gastronomie und Tourismus mit weniger als 1% – was womöglich der Corona Pandemie zugeschrieben werden kann.

Kaufmännische Berufe sind am beliebtesten, 41,8% aller Befragten würden gerne in diesem Bereich ausgebildet werden oder werden es bereits.

Auszubildenden-Notstand. Realität?

Der Notstand an Auszubildenden wird auch innerhalb der Studie bestätigt – 71,1% der Befragten haben 2 oder mehr Ausbildungsangebote erhalten. Damit gibt es in der Regel weniger Bewerber:innen, als Ausbildungsplätze und gerade die guten Kandidat:innen sind heiß begehrt.

Corona – Pandemie und Ausbildungsplatz Suche

Die Corona Pandemie war gerade in letzten Jahr auch noch ein Einflussfaktor auf die Entscheidung für den weiteren Bildungsweg. Das sehen zumindest fast 1/3 der befragten Schüler:innen und Auszubildenden so. Daher wurden die Bedingungen der Ausbildungsplatzsuche zur Pandemie Zeit explizit abgefragt. Dabei ergab sich, dass 62,6% der Auszubildenden ihren Wunschberuf trotz Corona gefunden haben.

Insgesamt fiel 62,5 % der Auszubildenden die Entscheidung für eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz leicht, was die Ausbildungsverantwortlichen selbst negativer eingeschätzt hatten (ihrer Schätzung nach fiel es nur 15,7% leicht eine Ausbildung zu machen und auf den Schul- oder Universitätsbesuch zu verzichten). Den Schritt zu einem Studium gingen tatsächlich nur weniger als 5% der Befragten. Auch hier schätzten die Ausbildungsverantwortlichen eine signifikant höhere Zahl – nämlich 14,4%.

Es zeichnet sich ab, dass sich die Ausbilder:innen und Personaler:innen in ihrer persönlichen Erfahrungswelt eher mit Auszubildendenmangel oder Unsicherheiten konfrontiert sehen, denn sie vermuten, dass 40,8% der potentiellen Auszubildenden eher Schwierigkeiten bei der Entscheidung haben, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Mit 1/4 der befragten Auszubildenden und Schüler*innen , die eine Entscheidung als schwierig erachten liegt die Anzahl allerdings niedriger.

Der Auszubildendenmangel macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar. Fast die Hälfte aller teilnehmenden Ausbildungsverantwortlichen befanden die Suche nach Auszubildenden angesichts der Corona Pandemie als noch schwieriger als zuvor.

Veränderungen des Image verschiedener Branchen in der Pandemie

Durch die Corona Pandemie rückten manche Bereiche oder Branchen mehr in den Fokus, als andere. Auffällig ist dies besonders bei der Kranken- und Altenpflege – ein Ergebnis, was nicht sonderlich überraschend erscheint. 41,9% der Schüler:innen und Auszubildenden geben an, einen deutlich positiveren bzw. positiveren Blick auf den Berufsstand Kranken- und Altenpflege zu haben. 30,5% halten mit einem deutlich negativerem bzw. negativerem Blick dagegen. Lediglich etwas mehr als 1/4 der Befragten sehen unverändert auf die Branche.

Auch der Lebensmittelhandel ist für 38,8% der Azubis und Schüler:innen ins positive Licht gerückt. Die Verlierer des Image-Vergleichs ist wohl die Automobilindustrie, 1/4 der Befragten geben an, einen deutlich negativeren bzw. negativeren Eindruck zu haben. Branchen wie der Öffentliche Dienst und die Logistik werden teilweise positiver gesehen (Öffentlicher Dienst: 25,4%, Logistik 28,1%), die große Mehrheit spricht aber von einem unveränderten Blick auf diese Bereiche.

Homeoffice – der Hauptprotagonist der Corona Pandemie

Das Arbeiten im Homeoffice war eine der Hauptstrategien gegen die Ausbreitung des Corona Virus und wurde in vielen Betrieben realisiert. Das bestätigen auch die Ausbildungsverantwortlichen in der Studie. 65,0% von ihnen hatten ihren Mitarbeiter:innen angeboten im Homeoffice zu arbeiten. Auch weit über die Hälfte der Schüler:innen und Auszubildenden waren im Homeoffice und 41,3% von ihnen haben sogar mindestens die halbe bis gesamte Zeit im Homeoffice verbracht.

Den Einfluss von dem Arbeiten von Zuhause auf die Qualität ihrer Ausbildung empfanden ca 30% als negativ, ein kleiner Teil mehr spricht von positivem Einfluss. Auch haben ein 3/4 der Arbeitgeber technische Geräte zur Verfügung gestellt.

Die Rolle von Homeoffice nach der Pandemie wird häufig diskutiert. Auch die Studie hat konkrete Zahlen und Stimmungsbilder ermittelt. 63,7% der Schüler:innen und Auszubildenden hätten Interesse daran, ihre Ausbildung auch in der Zukunft im Homeoffice zu absolvieren. Lediglich ⅕ von ihnen halten dagegen. Die Ausbildungsverantwortlichen selbst sind von dieser Aussicht eher weniger angetan. Gut die Hälfte von ihnen gibt an, ihren Auszubildenden das Arbeiten im Homeoffice eher nicht ermöglichen zu wollen. 28,8% können sich dies dagegen vorstellen.

Im Rückblick und der Berücksichtigung der Pandemie würden sich 3/4 der Auszubildenden wieder für ihren Ausbildungsberuf entscheiden. Nur ca. 10% würden einen anderen Ausbildungsberuf wählen, 6,8% für den gleichen Beruf, jedoch ein anderes Unternehmen. Nur ein eher geringer Anteil resümiert, dass sie lieber studieren würden.

Karriereseiten vs. Social Media

Die Bedeutung von Karriereseiten und Social Media im Azubi Recruiting wird häufig diskutiert. In der Studie wird auch dieser Themenbereich untersucht. Hierbei geben 72,1% aller Ausbildungsverantwortlichen an, dass sie eine Karriereseite auf ihrer Homepage haben. Mehr als ein 3/4 von ihnen haben auch inhaltlichen Einfluss auf die Gestaltung dieser Seite. Ein Großteil der Befragten nutzt diese Seite für Stellenausschreibungen, für den Anreiz zu Bewerbungen oder zur Darstellung von Informationen zu den Ausbildungsinhalten.

Die Vorstellung des Unternehmen und des Arbeitgebers findet bei ca 60% der Befragten auch auf der Karriereseite Platz.

Dass sich dieses Engagement auf den Karriereseiten lohnt, bestätigen die Schüler:innen und Auszubildenden, 87,3% von ihnen nutzen diese nämlich als Informationsquelle für ihren potentiellen Ausbildungsberuf. Dabei gehen viele mit der Intention des Findens von offenen Ausbildungsstellen auf die Seite, etwas wenigere suchen konkrete Informationen zur Bewerbung. Auch Auskünfte über das Bewerbungsverfahren, das Unternehmen selbst, die Vergütung und die Karrieremöglichkeiten sind für mindestens zwei Drittel der Befragten Anlass, die Karriereseite der Firma zu besuchen.

Angesichts dieser offensichtlich großen Beliebtheit der Karriereseiten, ist es auch wichtig zu erfahren, was auf dieser Karriereseite (bezugnehmend auf die Studie) unbedingt zu finden sein sollte.  Der Spitzenreiter ist in der Befragung der Punkt “Konkrete Angaben zur Übernahmequote des Ausbildungsbetriebes” (80,6%), gefolgt von Angaben zum Verdienst während und nach der Ausbildung und Details zum Bewerbungsprozess. Besonders bei dem Bewerbungsprozess und der Rückmeldung des Arbeitgebers wird der große Wunsch nach mehr Transparenz deutlich.

Die Karriereseite ist also nicht außer Acht zu lassen- vor allem da 1/5 Ihrer potentiellen Bewerber das Fehlen einer Karriereseite als unprofessionell erachten.

Von Jobbörse bis Plakat – Wo wird rekrutiert?

Gut über die Hälfte der Befragten Ausbildungsverantwortlichen gibt an, über Jobbörsen zu rekrutieren. Dicht dahinter folgt die Arbeitsagentur und Berufsbildungsmessen. Auch Praktika werden bei 50,3% der Teilnehmenden zur Suche nach Auszubildenden genutzt. Über Social Media halten lediglich ¼ aller Befragten nach Auszubildenden Ausschau und auch die Nutzung der Printmedien zur Rekrutierung ist eher niedrig (mit 16,9%)

Form der Bewerbung

Die digitale Bewerbung – ob per Email oder als Online-Formular führt die Liste des Formates der Bewerbung an, doch über 60% der Firmen nehmen noch Bewerbungen in Papierform entgegen. Die potentiellen Auszubildenden präferieren eindeutig das Online-Formular oder die Email. Nur 14% von ihnen zieht noch eine Bewerbung in Papierform in Betracht. Auch bei der Entscheidung zwischen einem Online Formular und einem Video gewinnt eindeutig das Online Formular.

Bewerbungsgespräch – Online oder vor Ort?

Über ein ¾ der Schüler:innen und Auszubildenden möchte gerne ein Bewerbungsgespräch vor Ort führen – und auch die Hälfte der befragten Ausbildungsverantwortlichen selbst sind der Meinung, dass sie die Bewerber*innen online nicht so gut kennenlernen können, wie vor Ort. 

Online Bewerbungen – Was wünschen sich die Azubis?

Kein langes Warten und keine Ungewissheit haben- der Wunsch danach zeichnet sich in der Studie deutlich ab. Einem ¾ der Befragten ist es sehr wichtig, über den Eingang der Bewerbung und den Bearbeitungsstand der Bewerbung informiert zu werden. Wichtiger ist den meisten nur die Übersichtlichkeit des Online-Bewerbungsformular. Ein schnelles Ausfüllen und Hochladen wichtiger Dokumente steht auch hoch im Kurs.

Die Schulnoten als Basis für die Entscheidung gegen oder für sich als Auszubildender erachten die wenigsten als fair. Ein ¾ wünscht sich einen Einstellungstest.

Digitalisierung in den Firmen – Was wünschen sich Ausbildungsverantwortliche?

Die Digitalisierung kann den Bewerbungsprozess nicht nur für die Auszubildenden, sondern auch für die Ausschreibenden selbst erleichtern. In den Bewerbermanagementsystemen wünschen sich viele Ausbildungsverantwortliche daher die Möglichkeit des Versenden automatisierter Mails, um den Eingang von Bewerbungen zu bestätigen. Das Filtern und Sortieren, was schnell zu viel Arbeit führen kann, sollte laut einem ¾ der Befragten automatisch erledigt werden. Besonders die Verwaltung der Informationen zu Azubis fänden 86,1% der Ausbildungsverantwortlichen praktisch (da sind Sie bei Talent2Go genau richtig).

Gutes Image – Marketing an den richtigen Stellen

Auch wenn Marketing auf Social Media stetig an Bedeutung gewinnt, sind Karrierewebseiten und Freunde und Familie noch der erste Anhaltspunkt für potentielle Auszubildende auf der Suche nach Empfehlungen eines Ausbildungsplatzes.. Fast 60% der Befragten geben an ersteres oder zweiteres als Informationsquelle zu nutzen.

Jobbörsen und die Arbeitsagentur sind für ⅓ immer noch ein Anlaufpunkt. Gut 16% nutzen Social Media, um sich über Ausbildungsplätze zu informieren.

E-Learning Portale: Was ist den Azubis wichtig?

Mit der Digitalisierung gewinnen auch E-Learning Angebote für Lernende an Bedeutung. Diese haben mittlerweile verschiedenste Funktionen. Doch was ist den Auszubildenden hier besonders wichtig? Ganz klar: Angebote zur Prüfungsvorbereitung. Mit fast 90% ist dieser Punkt am meisten gewünscht. Auch eine Orts- und Zeitunabhängige Nutzung wird gewünscht, gefolgt von der Nutzung auf allen digitalen Endgeräten, Medienvielfalt und Auskunft über den Lernfortschritt. Lernkontrollen und Tests führen vor Punkten wie Hilfecenter, Chatfunktion und Motivationshilfen.

Das Wiederholen von Aufgaben und die Unabhängigkeit von Zeit, Ort und Tempo der anderen Lernenden ist für viele Azubis ein großes Plus. Sie vermissen jedoch die persönliche Rückmeldung durch Ausbilder:innen und empfinden – zumindest ⅓ von ihnen das selbstständige Arbeiten als schwierig.

Die Befragung der Ausbildungsverantwortlichen zeigt, dass die meisten der gewünschten Punkte in den E-Learning Portalen schon erfüllt werden.

Ausbildungsnoten – Wie wichtig sind sie eigentlich?

Über die Bedeutung der Abschlussnoten sind viele Azubis oft geteilter Ansicht. Fast die Hälfte der Befragten sind zumindest der Ansicht, dass neben dem Bestehen der Prüfung alleine auch die Note von Relevanz ist. 84,1% der Schüler:innen ist die Note der Abschlussprüfung persönlich sehr wichtig. Über die Hälfte der Befragten sind jedoch auch der Meinung, dass ihre praktische Leistung ihre Übernahme in die Firma bestimmt.

Dies bestätigt sich durch die Ausbildungsverantwortlichen. Die praktische Leistung halten ein ¾ für einen Anlass, sich für eine Übernahme zu entscheiden. Außerdem sind nahezu 85% der Meinung, dass die Entscheidung schon vor dem Bestehen der Prüfung gefällt werde.

Ausbildungsende = Endgültiger Berufsweg oder nur eine Haltestelle zum Endziel?

Fast die Hälfte der Schüler:innen und Auszubildenden sehen das Ausbildungsende noch nicht als endgültigen Stopp. Sie streben eine Weiterbildung an (z.B. zum Techniker/Meister). Nur 14% wollen endgültig in dem Beruf bleiben und fast genauso viele wollen noch studieren. 15% sind auch gegenüber weiteren Berufen nicht abgeneigt.

Die Azubi Recruiting Trends zeigen ein eindeutiges Bild. Trotz der Corona Pandemie gewinnt das persönliche Bewerbungsgespräch vor Ort gegen ein Video-Telefonat, doch von Homeoffice sind zumindest die Schüler:innen und Auszubildende noch recht begeistert.

Der nächste Schritt für Sie? Karriereseite auffrischen!