Mehr als nur “Lernen”: Das erwarten Azubis heute von ihrem Betrieb

Die meisten Azubis haben bei Beginn der Ausbildung nicht nur eine Erwartungshaltung gegenüber ihrem zukünftigen Beruf, sondern auch gegenüber dem Betrieb und den Arbeitgeber:innen. Angesichts der stetig sinkenden Anzahl an Auszubildenden und derer, die ihre Ausbildung abbrechen, ist es für Personaler:innen und Arbeitgeber:innen wichtig zu wissen, worauf Auszubildende bei der Unternehmenswahl Wert legen. Auch um vielversprechende junge Talente im Betrieb zu halten und mit ihnen langfristig zu planen, ist es wichtig, ihre Erwartungen, Wünsche und auch Hoffnungen zu kennen.

 

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen:

  • woraus Azubis heute Wert legen.
  • welche konkrete Maßnahmen (z.B. Weiterbildungsmöglichkeiten) und welche “softeren” Faktoren (z.B. gutes Image) zählen.
  • wie Sie einige der Erwartungen und Wünsche umsetzen können. 

 

Da Auszubildende in der Regel vor ihrem Ausbildungsbeginn nur das Umfeld in der Schule kennen und ggf. mal einen Ferienjob gemacht haben, beginnt mit dem Ausbildungsstart ein völlig neuer Lebensabschnitt. Viele haben bis dahin nur vage Vorstellung, wie der Ausbildungsalltag aussieht, was in der Berufsschule und im Betrieb erwartet wird und wie sich das Arbeitsleben gestaltet. 

Fragen man Azubis zum Ende ihrer Ausbildung, dann wird es schon konkreter. Hier können sie benennen, was ihnen wichtig war, was sie sich gewünscht hätten und was sie vom Betrieb erwarten. Die wichtigsten Punkte fassen wir nachfolgend für Sie zusammen.

 

Transparente Informationen im Bewerbungsprozess

Wie Umfragen bestätigten, können sich viele Bewerber:innen unter einigen Ausbildungsbezeichnungen gar nichts vorstellen. Gerade bei zukünftigen Aufgaben und Lerninhalten, herrscht oft Unklarheit. Daher wünschen sich die Bewerber:innen schon in der Stellenausschreibung konkrete Informationen zu den Tätigkeitsfeldern und den Anforderungen an die Auszubildenden, um sicherzugehen, dass sie überhaupt qualifiziert dafür sind, also die Fertigkeiten und Fähigkeiten haben, um in diesem Beruf zu bestehen. Natürlich geht es hier auch darum herauszufinden, was Spaß machen könnte und die eigene Interessen abdeckt.

 

Unser Tipp: Bewerben Sie Ihr Ausbildungsprogramm aktiv in Schulen, bieten Sie Schülerpraktika an, machen Sie einen Tag der offenen Tür und geben Sie Interessierten die Möglichkeit mit aktuellen Azubis zu sprechen.

 

Weiterbildungs- /Aufstiegsmöglichkeiten

Auszubildende wünschen sich oft einen Job, der ihnen Zukunftsperspektiven bietet. Weiterbildungsmöglichkeiten in Form von Lehrgängen oder Fortbildungen sowie die Möglichkeit in höhere Positionen aufzusteigen sind Kriterien für die Wahl der Ausbildung. Aber auch eine gute Gehaltsperspektive ist den Auszubildenden wichtig, da dies ihre Lebensplanung bestimmt. 

 

Unser Tipp: Die Vergütung in der Ausbildung ist häufig standardisiert. Punkten können Sie hier mit besonderen Ausbildungsangeboten, zum Beispiel Fremdsprachenkursen, Programmierschulungen, Weiterbildungen in rechtlichen Bereichen oder auch mit Kursen zu Themen wie Kommunikationsfähigkeit, Kritikfähigkeit oder Verhandlungsgeschick.

 

Freundliche Kollegen / Arbeitsklima

Eine der wichtigsten Faktoren bei der Wahl des Betriebes sind die Kollegen und der Teamzusammenhalt. Umfragen ergaben, dass 82% der Auszubildenden “nette Kollegen” als einen der Hauptgründe sehen, eine Ausbildung zu wählen. Obwohl eine angenehme Arbeitsatmosphäre für Firmen auch unabhängig der Auszubildenden stets im Auge behalten werden sollte, kann dieser Punkt nicht nur in der Stellenausschreibung, sondern auch im Bewerbungsgespräch besondere Beachtung erfahren. 

 

Unser Tipp: Geben Sie Bewerber:innen die Möglichkeit mal für einen Tag Ihren Betrieb kennenzulernen, bieten Sie die Möglichkeit für Gespräche mit aktuellen Mitarbeiter:innen und zeigen Sie auch im Netz, was Sie als Arbeitgeber ausmacht (z.B. durch Videos vom Betriebsausflug oder durch kurze Interviewreihen).

 

Gutes Image

Das gute Image eines Betriebes hat einen immensen Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen den Betrieb. Denn der gute Ruf gibt den Auszubildenden Sicherheit und Vertrauen in die potentielle Firma. Zu einem guten Image tragen die verschiedensten Faktoren bei. Bewertungen auf Google oder einschlägigen Bewertungsseiten sind hier nur der Anfang. Die Außendarstellung der Arbeitgebermarke (Employer Branding!) auf der Website oder auf Social Media sorgen für ein professionelles, gutes Image.

 

Unser Tipp: Ein gutes Image kann nur dann entstehen, wenn Sie dort sind, wo auch Ihre Azubis sind. Häufig heißt das: Im Internet. Bauen Sie sich Stück für Stück Social Media Kanäle auf, achten Sie auf eine moderne und attraktive Website und engagieren Sie sich vor Ort, um bekannt zu werden.

 

Gute Übernahmechancen

Sicherheit und Zukunft sind gerade während der Pandemie zu zwei Schlagwörtern geworden, die auch junge Menschen bewegen. Da ist es nicht verwunderlich, dass gute Übernahmechancen für potentielle Auszubildende ein Argument sind, das Unternehmen als Ausbildungsbetrieb in Betracht zu ziehen. Im Zeitalter des Fachkräftemangels suchen eigentlich so gut wie alle Betriebe langfristige Mitarbeitende – machen Sie das den Azubis klar, denn hier liegt Ihre Zukunft.

 

Unser Tipp: Haben Sie schon mal über eine Übernahmegarantie nachgedacht? Sollte das nicht möglich sein, oder sich bei Ihnen nicht anbieten, dann ist eine offene Kommunikation immens wichtig. Sprechen Sie mit Ihren Azubis rechtzeitig über Entwicklungschancen und Stellen nach der Ausbildung, sodass sie Sicherheit haben und sich gar nicht erst anderweitig umsehen müssen.

 

Günstige Rahmenbedingungen

Günstige Rahmenbedingungen wie eine gute Anbindung an die Infrastruktur oder auch eine günstige Lage sind Faktoren, die Auszubildende berücksichtigen. Viele Auszubildende wählen auch eine Ausbildungsstätte, die nahe ihrem Wohnort bzw. ihrer Heimat liegt. 

 

Unser Tipp: An Ihrer Lage können Sie wenig ändern. Was Sie aber anbieten können sind attraktive Mobilitätsangebote, wie Monats- und Jahreskarten für den ÖPNV, Bezuschussung zu E-Bikes, eigene Betriebsräder, ein Azubi-Auto oder Fahrtkostenzuschüsse.

 

Gutes Verhältnis zur Ausbildungsleitung

Die Ausbilder:innen stellen einen wichtigen Einflussfaktor in der gesamten Ausbildung dar. Von ihnen wird gelernt und sie fungieren in verschiedener Hinsicht als Vorbild. Eine jederzeit offene Tür und ein offenes Ohr sollen ein Garant für die Zufriedenheit der Auszubildenden sein. Besonders im Recruiting der potentiellen Fachkräfte ist es wichtig, ein gutes Verhältnis oder Sympathie zu verspüren. 

 

Unser Tipp: Bilden Sie sich selbst und Ihre Ausbildungsleiter:innen regelmäßig zu Fach- und Sozialkompetenzen weiter und schaffen Sie Verbindungen zu den Azubijahrgängen durch gemeinsame Aktivitäten, wie ein Sommergrillen, ein gemeinsamer Sportausflug oder regelmäßige Lunchtermine.

 

Wie lassen sich diese Punkte umsetzen?

Neben den ganz konkreten oben genannten Punkten gibt es noch weitere Tipps und Tricks, die Erwartungen der Azubis aufzufangen und zu verbessern. Einige davon möchten wir hier nochmal etwas ausführlicher darstellen.

 

Eine aussagekräftige Stellenanzeige

Jede Azubireise beginnt mit einer Ausschreibung und der Suche nach neuen Auszubildenden. Das Wissen um die Präferenzen und Kriterien der potentiellen Auszubildenden lassen sich gut verwenden, um das Bewerbungsverfahren und Stellenausschreibungen anzupassen. Um interessierte und auch für den Beruf qualifizierte Bewerber:innen zu erreichen, sollten die Stellenanzeigen möglichst konkrete Informationen über die Lerninhalte und Aufgabenbereiche der zukünftigen Áuszubildenden enthalten. So können sich Personaler:innen und Ausbildungsleiter:innen sicher sein, dass die Bewerber Interesse und Freude an dem Gebiet haben und nicht ihre Ausbildung aufgrund falscher Erwartungen abbrechen. Junge Fachkräfte werden über digitale Anzeigen vor allem auf Social Media am besten erreicht. 

 

Ganzheitliche Einstellungskriterien

In vielen Einstellungsverfahren gelten die Abschlussnoten immer noch als wichtigster Einflussfaktor für die Selektion der Bewerber:innen. Trotzdem berichten viele Unternehmen vermehrt, dass die Leistungen ihrer jeweiligen Auszubildenden die Erwartungen (basierend auf Schul- und Abschlussnoten) übersteigt. Daher wünschen sie und auch viele Auszubildende einen angepassten Bewerbungsprozess. Einstellungstests gelten als ein mögliches Instrument und können nicht nur die Fähigkeiten und Qualifikationen der Bewerber:innen prüfen, sondern auch den Auszubildenden einen Vorgeschmack auf ihre späteren Aufgabenbereiche bieten. Im Bewerbungsprozess ist es Auszubildenden zudem sehr wichtig, Informationen (wie Fristen) und Transparenz bezüglich des weiteren Verlauf des Einstellungsverfahrens zu erfahren. Hier können Sie als Personaler:in und Ausbildungsleitung Klarheit schaffen. 

 

Effektives Employer Branding

Ein gutes Image ist eine Frage des Employer Branding, also des Etablierens einer Arbeitgebermarke durch verschiedene Marketing-Strategien. Nicht nur für Erfolge beim Recruiting von Auszubildenden, sondern auch für die Zufriedenheit der Mitarbeiter oder Kunden Akquise ist das Employer Branding höchst relevant. Wichtige Tools zum Employer Branding sind die Website, die Social Media Kanäle und die Werbung. Hier sollten also nicht nur alle digitalen Präsenzen regelmäßig gepflegt, sondern auch mit Informationen zum Betrieb, Unternehmenswerten/Firmenphilosophie und dem Alltag aufgewertet werden. Einpflegungen von Bewertungen, Bildern, Videos und Mitarbeiterprofilen sind ein weiteres effektives Mittel, Ihre Arbeitgebermarke zu repräsentieren.

 

Eine gute Unternehmenskultur

Um das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen und Auszubildenden zu garantieren, ist eine angenehme Arbeitsatmosphäre und eine gute Unternehmenskultur unabdingbar. Da Konflikte, Streit und Mobbing häufig im Arbeitsalltag auftreten und für Unfrieden sorgen können, sollte besonders hier auf Anzeichen und angemessene Konfliktkultur geachtet werden. Gemeinsame Teambildungsmaßnahmen, Seminare und Lehrgänge können das Verhältnis unter den Arbeitenden verbessern. Eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Mitarbeiter:innen sollte immer angestrebt und vorangetrieben werden. 

 

Regelmäßige Überprüfung der Leistungen und Zufriedenheit 

Um den Stand und die Situation der Auszubildenden zu reflektieren, sollten ihre Leistungen und ihr Wohlbefinden oder ihre Zufriedenheit in ihrem Ausbildungsberuf regelmäßig überprüft werden. So lassen sich Missstände aufheben und Konflikte klären, die eine erfolgreiche Ausbildung behindern oder die mentale Gesundheit der Auszubildenden belasten. Mit Blick auf eine mögliche Zukunft in der Firma ist die Leistungsüberprüfung eine gute Möglichkeit mit vielversprechenden, talentierten Auszubildenden weiter zu planen. So können individuelle Stärken und Schwächen ausgelotet werden, um die zukünftigen Fachkräfte besonders gut in den Arbeitsalltag einzubinden. 

Diese regelmäßigen Überprüfungen bieten auch die Möglichkeiten, Feedback zu geben und selbst Vorschläge zur Verbesserung zu erhalten. Genau das wird mit unserer Plattform transparent, übersichtlich und jederzeit abrufbar für Sie gestaltet, um für Ihre Zukunft mit talentierten Auszubildenden zu planen.