New Work in der Ausbildung: Modernes Arbeiten in der Berufsausbildung

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Die Arbeitswelt verändert sich in einem nie dagewesenen Tempo. Es wird viel diskutiert, was die wichtigsten Kompetenzen im 21. Jahrhundert sind. Neue Technologien erobern den Markt, neue Berufsfelder entstehen, vieles wird digital, Agilität und Flexibilität sind die Begriffe der Stunde.

Viele dieser Änderungen lassen sich unter dem Begriff “New Work”, sprich “Neue Arbeitswelt” zusammenfassen. Doch was genau ist das eigentlich und wie kann man die zukünftigen Generationen schon in der Ausbildung fit für diese neue Welt machen?

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen:

  • was hinter dem Megatrend New Work steckt
  • was in der Arbeitswelt von morgen wichtig wird
  • fünf Kompetenzen für die New Work Ausbildung

Der Megatrend New Work

New Work ist einer DER Megatrends des 21 Jahrhunderts, denn unser Verständnis von Arbeit hat sich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und Flexibilisierung stark geändert. Klassische Berufsfelder in allen Sektoren sind im Wandel, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatem tritt in den Vordergrund und gerade die jüngeren Generationen fordern nicht mehr nur Geld, sondern vor allem auch Sinn. Die Corona Krise hat noch einmal deutlicher gezeigt, wie die Grenze zwischen Arbeit und Privaten immer mehr verschwimmt, wie sehr sich Unternehmen anpassen müssen, um die besten Arbeitskräfte zu gewinnen und was für Menschen wirklich wichtig ist in ihrem Job. Die Krise hat Trends und Entwicklungen, die schon länger da waren an die sichtbare Oberfläche der Gesellschaft gebracht und Veränderungsprozesse beschleunigt.

Die meisten Maßnahmen im Bereich New Work lassen sich unter einem oder mehreren der drei Ds zusammenfassen:

  • Digitalisierung = Neue Technologien, Prozesse und Geräte bestimmen den Arbeitsalltag.
  • Demokratisierung = Alle werden an Entscheidungsprozessen beteiligt und Prozesse werden nicht mehr nur “von oben” vorgegeben.
  • Dezentralisierung = Das Büro ist nur ein Ort von vielen, an denen gearbeitet werden kann.

4 Thesen für die Zukunft der Arbeit

Das Zukunftsinstitut, das sich mit den großen disruptiven Trends der nächsten Jahre auseinandersetzt, hat vier Thesen für die Arbeitswelt der Zukunft aufgestellt:

Arbeit muss sinnvoll sein

Hinter dieser ersten These steckt die Erkenntnis, dass Überstunden für mehr Gehalt, ein Konkurrenzkampf um Top-Positionen und eine fest verankerte Karriereleiter ausgedient haben. Vor allem junge Menschen fordern einen Job und Arbeitgeber, der etwas “sinnvolles” tun. Arbeit muss sinnstiftend sein, um attraktiv zu sein. Fähigkeiten wie Kreativität, Empathie und Vorstellungsvermögen werden in den Fokus gerückt und von Bewerber:innen nachdrücklich gefordert. Auch eine Identifikation mit den Zielen und dem Wirken des eigenen Arbeitgebers ist heute wichtiger, als noch vor einigen Jahren.

Work-Life-Balance wird zu Work-Life-Blending

Arbeit und Privates lassen sich schon heute immer schlechter voneinander trennen. Spätestens seitdem Corona halb Deutschland ins Homeoffice geschickt hat, wurde klar, dass die Arbeitswelt und das private Leben immer mehr ineinander übergehen. Wurde früher gefordert Arbeit und Privates strikter voneinander zu trennen (um eine Balance herzustellen), geht es in Zukunft darum ein besseres Zusammenspiel und Ineinandergreifen von beidem zu schaffen (Blending). Wenn das gelingt, kann nicht nur produktiver gearbeitet werden, sondern vor allem auch flexibler auf einzelne Bedürfnisse von Mitarbeiter:innen eingegangen werden. Das Ergebnis: Mehr Zufriedenheit, mehr Wertschätzung, mehr Entspannung und mehr Lebensqualität.

Remote Work sorgt für Wandel im Büro

Remote Work bedeutet, dass prinzipiell von überall aus gearbeitet werden kann. Gerade in digitalen Jobs, die häufig nur einen Laptop und eine stabile Internetverbindung erfordern, bietet ein Trend hin zu mehr remote work die Möglichkeit private Ziele und Lebensweisen noch besser mit einem Job in Einklang zu bringen. Die Möglichkeit (vermehrt/zunehmend) remote zu arbeiten sorgt auch dafür, dass das “Konzept Büro” noch einmal völlig neu gedacht werden muss. Wer von überall aus arbeiten kann, sucht im Büro weniger eine Schreibtisch, als einen Ort zum kreativen Austausch mit den Kolleg:innen, einen Ort der Inspiration und einen Ort für die Unternehmenskultur.

Zeit für die 4-Tage-Woche?

Die Grundidee hier ist: Weniger ist mehr. Ob die 30h Woche tatsächlich zur Normalität wird, lässt sich in Deutschland nur schwer einschätzen. Klar ist aber, dass das Arbeitsideal der Zukunft kein klares 9-to-5 mehr ist. Arbeitszeit wird als etwas verstanden, dass sich flexibel den eigenen Lebensbedingungen anpassen kann. Immerhin: Studien zeigen, dass eine reduzierte Arbeitszeit mitunter zu mehr Produktivität, einer höheren Zufriedenheit und weniger Krankheitstagen führt. Im besten Fall also eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen.

Ob und wenn ja wann und wie sich diese vier Thesen bewahrheiten, lässt sich heute noch nicht sagen. Sie zeigen aber deutlich, in welche Richtung sich die Arbeitswelt bewegt. Wir wollen die Arbeitswelt von morgen proaktiv gestalten und bieten eine einmalige Plattform für Ausbilder und Azubis an. Melden Sie sich jetzt für einen unverbindlichen Test und überzeugen Sie sich selbst, wie Sie mit digitalen Lösungen Zukunft schreiben können.

New Work in der beruflichen Ausbildung

Wer heute schon die Talente und Führungskräfte von morgen ausbilden will, muss sich frühzeitig Gedanken machen, auf welche Fähigkeiten es ankommt und wie man sie am besten erlernen kann.

Die berufliche Ausbildung bietet den idealen Rahmen, um die nächste Generation am Arbeitsmarkt fit für die digitale und vernetzte Gesellschaft und Wirtschaft zu machen. Die Ausbildung muss ganzheitliche betrachtet werden: Es geht nicht nur um fachliches Wissen und Können, sondern auch um soziale Fähigkeiten und eine grundlegende Lernmotivation. Denn das lebenslange Lernen ist spätestens jetzt nicht mehr nur optional, sondern notwendig, da sich die Arbeitswelt in einem konstanten Wandel befindet.

Fünf Kompetenzen für New Work in der beruflichen Ausbildung

Modernes und digitales Arbeit hält Einzug in die Ausbildung. Damit “New Work” auch wirklich gelebt werden kann und nicht nur eine lose Worthülse bleibt, gibt es einige zentrale Kompetenzen, die man Azubis schon in der beruflichen Ausbildung mitgeben sollte, um dort auf die Chancen und Herausforderungen der Arbeitswelt vorbereitet zu werden. Ausbilder:innen sollten daher vor allem die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

Digitales Lernen

Nahezu alle Ausbildungsberufe können durch digitale Lehre unterstützt werden. Unter “E-Learning in der Ausbildung” fallen eigene Lernportale, Lern-Apps, Videos und Podcasts zu Ausbildungsinhalten oder eigene digitale Communities zum Austausch. Digitales Lernen ermöglicht es Azubis orts- und zeitunabhängig und im eigenen Lerntempo Inhalte zu wiederholen und zu vertiefen. Welche Ziele E-Learning in der Ausbildung verfolgt, welche Vorteile es gibt und wie eine ganzheitliche E-Learning-Strategie aussehen kann, haben wir in unserem exklusiven Whitepaper zusammengetragen. Schauen Sie rein!

Der Einsatz von E-Learning in der Ausbildung fördert Selbstständigkeit und Zeitmanagement und gibt Azubis ein attraktives Angebot ihren eigenen Lernprozess selbst mitzugestalten. Was genau – neben spezifischen fachlichen Ausbildungsinhalten – mit E-Learning in der Ausbildung vermittelt werden kann, zeigt der nachfolgende Kompetenzbereich.

Digitale Technologien und Medien

Ein Verständnis von und ein sicherer Umgang mit digitalen Technologien und Medien ist eine Kernkompetenz für Azubis, aber eigentlich auch alle anderen, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Der Begriff “Digital Literacy” bezeichnet einen souveränen Umgang mit den Herausforderungen der Digitalität. Wichtige digitale Kompetenz sind u.a. die Fähigkeit mit Informationen, Kommunikations- und Problemlösungsstrategien im digitalen Kontext souverän umzugehen. Wer sich selbst oder seine Azubis testen möchte, findet hier eine Übersicht von Tests digitaler Kompetenzen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Ein Verständnis von digitalen Technologien ist der Grundstein, um in der digitalen Welt mitzugestalten. Dazu gehören u.a. neue Technologien (z.B: Künstliche Intelligenz, Robotik, Quantencomputing, Blockchain), aber auch Fähigkeiten wie Datenverarbeitung, die Aufbereitung und Präsentation von Daten oder Wissen zu Datenschutz und Datensicherheit.

Der Umgang mit digitalen Technologien und Medien rundet das Profil einer digitalen Ausbildung ab. Hier können beispielsweise VR-Brillen zum Einsatz kommen, wenn es um das Üben bestimmter Handgriffe geht oder Tablets und bestimmte Softwareprogramme, wenn es um die Bedienung und Steuerung komplexer Maschinen geht.

Kommunikation

In der Ausbildung geht es vorrangig darum, fachliche Expertise in seinem eigenen Ausbildungsbereich aufzubauen. Das macht für Prüfungen in der Berufsschule und bei der IHK auch absolut Sinn, sollte aber nicht das einzige sein, worauf Wert gelegt wird. In der neuen Arbeitswelt werden Kommunikationsskills immer wichtiger: Man muss häufiger in agilen Projektteams zwischen verschiedenen Abteilungen und Hierarchiestufen vermitteln, sein eigenes Fachwissen so erklären, dass es auch für Außenstehende nachvollziehbar ist und mit anderen Standorten – ggf. auch im Ausland – zusammenarbeiten. Damit all das funktioniert, braucht man gute digitale und analoge Kommunikationsfähigkeiten. New Work sorgt dafür, dass schon während der Ausbildung immer flexibler und mit immer mehr unterschiedlichen Kolleg:innen und Kund:innen zusammengearbeitet wird.

Flexible Strukturen

Klassische Hierarchiestufen werden aufgebrochen und Projektteams werden bunter zusammengesetzt. Mit diesen flexiblen Strukturen muss umgegangen werden können, daher heißt es hier vor allem: Learning by doing. Wie bei so vielem gibt es hier keine einheitliche Patentlösung, sondern viele verschiedene Ideen und Ansätze, bei denen geschaut werden muss, was davon sich sinnvoll und passend in die eigene Unternehmensstruktur und -kultur einarbeiten lässt.

Die Beispiele sind vielfältig. Ein prominentes Beispiel sind Mentoring und Reverse Mentoring, wo es darum geht über Altersstufen und Berufsjahre hinweg voneinander zu lernen – das heißt die älteren zeigen den Azubis Tipps und Tricks aus ihrer Berufserfahrung und die Jüngeren machen die Älteren fit bei digitalen Technologien und Projekten.

Auch innerhalb der Ausbildung können bestehende Strukturen aufgeweicht werden und Platz schaffen für interdisziplinäre Projekte, bei denen verschiedene Ausbildungsgruppen und -fächer zusammenarbeiten, jahrgangsübergreifendes Lernen in Projekten oder “Lunch und Learn”-Formate, wo einzelne Azubis aus aktuellen Projekten und von Herausforderungen berichten kann, die dann gemeinsam besprochen werden.

Ob es im eigenen Unternehmen passt, auch den Azubis schon mobiles Arbeiten bzw. Arbeiten aus den Homeoffice anzubieten, ist eine ganz individuelle Frage. Wer New Work wirklich leben will, sollte diese Option aber in jedem Fall in Betracht ziehen und einmal durchspielen.

Unser Fazit: Digitalisierung der Ausbildung

Viele Ausbildungsbetriebe stehen vor der großen Herausforderung ausreichend und qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Digitale Elemente in der Ausbildung können eine Methode sein, nicht nur innerbetriebliche Prozesse zu optimieren, sondern auch junge Menschen für eine Ausbildung im eigenen Betrieb zu begeistern. Die sogenannten “digital natives”, also junge Menschen, die mit digitalen Technologien groß geworden sind, suchen ein Arbeitsumfeld, was ebenso digital und flexible ist, wie sie selbst. Wichtige Kompetenzen des 21. Jahunderts bringen sie häufig schon mit.

Wer es als Betrieb schafft den Begriff “New Work” mit Leben zu füllen und eine neue Arbeitsorganisation und -kultur zu schaffen, der ist nicht nur ein attraktiver Arbeitgeber (für Azubis), sondern vor allem auch gerüstet für alle Änderungen, die noch kommen werden.